Gonzalo Castro absolvierte während seiner sportlichen Laufbahn für Jugendklub Bayer 04 Leverkusen, Borussia Dortmund und den VfB Stuttgart insgesamt 421 Partien als Profi in der Bundesliga. Darüber hinaus konnte er fünfmal das Trikot der deutschen Nationalmannschaft überstreifen. Mittlerweile ist die Laufbahn als Kicker in der Beletage beendet, die Liebe zum Ball aber unverändert geblieben. So heuerte der heute 37-Jährige im Januar bei Amateurverein TuS Roland Bürrig in der Kreisliga B an. Nach zahlreichen Trainingseinheiten mit der Mannschaft stand nun das erste Heimspiel an.
Den bekannten Fußballer-Sprech aus TV-Interviews nach den Spielen hat Castro jedenfalls keineswegs verlernt. „Wir haben es heute unnötig spannend gemacht“, sagte er mit analytisch-ernster Stimme, „das musste nicht sein.“ Dennoch blieb Bürrig in der laufenden Spielzeit weiter ungeschlagen, und besiegte Bergfried Leverkusen II letztlich knapp mit 3:2 (2:1). Ein Premierentreffer vor heimischer Kulisse gelang Castro als neue sportliche Attraktion des Stadtteils dabei nicht.
Gleichwohl wirkte er sehr zufrieden. Die Entscheidung, die fußballerische Karriere nach der Karriere im Amateursport ausklingen zu lassen, scheint nach zweijähriger Pause die richtige gewesen zu sein. Grund für den Kontakt zwischen dem einstigen Star und dem Lokalklub war TuS-Teammanager Gökhan Güney, der mit Familie Castro gut befreundet ist. Er machte beide Seiten miteinander bekannt, und laut Trainer Thomas Herrmann konnte sich Castro auf einer gemeinsamen Weihnachtsfeier von den zwischenmenschlichen Qualitäten seiner Auswahl überzeugen.
Dass es letztlich tatsächlich zu einer Zusammenarbeit kommen würde, hätte der Übungsleiter im Vorfeld trotzdem nicht für möglich gehalten. „Das war erstmal eine Spinnerei“, erzählte er, „und wir haben unsere Scherzchen darüber gemacht.“ Nach etwa drei Wochen Bedenkzeit aber war die Tinte unterm Vertrag trocken, und Castro stand bei den ersten Einheiten auf dem Kunstrasenplatz im winterlich-kalten Bürrig.
Für die Mannschaft freilich eine ungewohnte Situation. Wie geht man als Hobby-Kicker mit einem ehemaligen Fußball-Profi um? Herrmann berichtete: „Am Anfang war es so, dass die Mitspieler enormen Respekt vor ihm hatten.“ Das führte dazu, dass sie mitunter Angst hatten, Fehler zu machen. Weil aber Castro keine Star-Allüren hegt oder eine Sonderbehandlung einfordert, legte sich diese Nervosität schnell. Der 37-Jährige ist demnach einer der ersten Freiwilligen, die die Tore nach dem Training vom Platz tragen, Leibchen holen oder Hütchen einsammeln. „Er hat sich super eingefügt“, lobte auch Kapitän Patrick Paffrath.
Über die sportlichen Qualitäten herrschen überdies ohnehin keine zwei Meinungen unter Spielern und Verantwortlichen. Gerade der erste Kontakt am Ball, so Paffrath, sei beeindruckend. Zudem helfe Castro beim taktischen Stellungsspiel während der Partie. „Die Jungs können sich viel von ihm abgucken“, merkte Coach Herrmann an. Er ist sich bewusst darüber, dass er seinem prominenten Neuzugang in Team- und Taktiksitzungen keine neuen Inhalte vermitteln kann, aber ein verlängerter Arm des Übungsleiters ist Castro auch nicht. „Der Trainer hat die Jungs schon gut im Griff“, sagte der gebürtige Wuppertaler lächelnd.
Nicht nur durch Castros Verpflichtung sind die Ambitionen des Klubs hoch. In der laufenden Saison noch ohne Niederlage will Herrmann in die Kreisliga A und perspektivisch noch weiter aufsteigen. Dafür arbeite der Verein kontinuierlich. Für Castro steht zunächst der Wunsch, verletzungsfrei zu bleiben, und der Spaß im Vordergrund. „Ich hatte einfach wieder Lust, mit den Jungs zu kicken und herumzualbern“, erzählte er.
Sportkarriere Gonzalo Castro wurde in der Jugend von Bayer 04 ausgebildet und schaffte 2004 unter dem damaligen Trainer Klaus Augenthaler den Sprung in die Profi-Mannschaft der Bundesliga. Dort absolvierte er für die Werkself insgesamt 286 Spiele im deutschen Oberhaus. Zum Unmut vieler Anhänger wechselte der gebürtige Wuppertaler 2015 zu Borussia Dortmund. Mit den Schwarz-Gelben gewann der heute 37-Jährige im Frühjahr 2017 den DFB-Pokal. Außerdem wurde Castro mit der deutschen U 21-Nationalmannschaft 2009 Europameister. Das Trikot des A-Nationalteams streifte er fünfmal über.