Volkan Uluc wählte wie schon im Heimspiel gegen Plauen eine sehr angriffslastige Variante, vertraute gleich fünf Offensivkräften mit Stürmerblut und wechselte nur auf zwei Positionen das Startpersonal: Weinhauer begann nach seiner Denkpause gegen Plauen für Richter, Tattermusch für Zank.
BERICHT des FC Carl Zeiss Jena
Es waren nur 26 Sekunden gespielt, da zog Ted Tattermusch vom Halbkreis ab, Yermachkows Fuß gab dem Ball einen fiesen Drall, der ihn zur frühen Jenaer Führung im Netz einschlagen ließ. Nur fünf Minuten später hätte Seidemanns Volleyschuss nach Prokopenko-Flanke das 2:0 bedeuten müssen, aber der erst 19-jährige Viktoria-Keeper Karika, von dem später noch die Rede sein wird, parierte den zu wenig platzierten Versuch. Auf der Gegenseite strich Kücs Geschoss am Pfosten vorbei, doch insgesamt kannte das Spiel nur eine Richtung. Seidemanns gefühlvollen Freistoß über die Mauer lenkte Karika ans Lattenkreuz (19.), Tattermuschs Kopfball verfehlte das Tor (22.), der FCC schluderte wie schon gegen Plauen mit seinen Chancen. Und anders als gegen die Vogtländer sollte er dafür bezahlen, unter gütiger Mithilfe von Schiedsrichter Max Kluge aus dem mittelsächsischen Falkenau. Reddemann hatte in der Spieleröffnung den Ball zum Gegner geschlagen, welcher zum Konter ansetzte, den Hoppe mit starker Rettungstat beendete. Zur Überraschung der 1.122 Zuschauer zeigte Kluge jedoch auf den Punkt, obwohl Hoppe klar den Ball und nichts anderes als den Ball gespielt hatte. FCV-Kapitän Köc verwandelte sicher. Der Schock über die Elfmeterentscheidung saß tief, und Jena gab die Spielkontrolle etwas aus der Hand, war nicht mehr so dominant, konnte sich nicht mehr dauerhaft in Berlins Hälfte festsetzen, sondern tappte ein ums andere Mal in die Fallen, die die durchaus spielstarken Himmelblauen stellten. So auch drei Minuten vor dem Pausenpfiff, als Reddemanns Versuch der langen Spieleröffnung auf Löder erneut vom Gegner abgefangen und Noah Jones abseitsverdächtig auf die Reise geschickt wird. Berlins Stürmer mit frappierender Namensähnlichkeit zu einer stimmgewaltigen Dame aus Brooklyn wäre vermutlich gar nicht mehr ans Leder gekommen, hätte Abu El Haijas langes Bein den Ball nicht noch unglücklich verlängert und somit den Weg bereitet zur 2:1-Führung für die Platzherren, welche den Verlauf der ersten Hälfte auf den Kopf stellte. Dabei war Liesegang zunächst noch Sieger im 1:1 gegen Jones geblieben, ließ jedoch den Ball wieder prallen, so dass Berlins Neuner im zweiten Versuch einnetzte. Eine Verkettung unglücklicher Umstände, die einen Vorgeschmack darauf geben sollte, was in der zweiten Halbzeit folgte.
Diese begann personell nur auf einer Position verändert; Paul Krämer ersetzte den leistengeplagten Marcel Hoppe auf der linken Außenbahn. Und wie schon im ersten Durchgang dominierte der FCC die Anfangsphase komplett. Allein, er traf das Tor nicht. Dabei sprang und faustete sich Viktorias junger Keeper in die Hauptrolle. Weinhauers Riesenchance per Kopf rettete Karika riesig (50.), war bei Reddemanns Kopfball auf der Hut (57.) und entschärfte Hessels verdeckten Schuss aus der Distanz sensationell (58.). Nach einem Foul an Seidemann im Strafraum hätte es Elfmeter gegen müssen (67.), welcher aber ebenso ausblieb, wie schon in der ersten Hälfte nach einem Umrammen Löders, sowie wenig später nach einem Faller Zanks. Auf der Gegenseite übersah Kluge ein Handspiel El Haijas im 16er, was dann wiederum in einem Konter mündete, bei dem Kluge schlussendlich keine andere Wahl blieb, als zum zweiten Mal auf den Punkt zu zeigen. Sylla hatte Zank von hinten umgerissen und wurde neben dem Elfmeterpfiff noch mit der gelb-roten Karte bestraft. Löder verwandelte eiskalt zum 2:2 und als sich der zu aufbrausend wütende Viktoria-Coach Ömer Hurmaci ebenfalls die Ampelkarte abholte, rechnete wohl niemand damit, welchen weiteren Verlauf die Partie nehmen würde.
Erwartete man eine nun dominant seine Überzahl ausspielende Jenaer Elf, klingelte es kurzerhand auf der anderen Seite, als Innenverteidiger Yermachkow den ersten und einzigen Berliner Eckball per Schulter am kurzen Pfosten verwandelte (76.). Und es sollte noch bitterer kommen. Als Abu El Haija ohne gegnerische Bedrängnis am eigenen 16er Opfer des Lichterfelder Runkelackers wurde und unglücklich wegrutschte, ließ Dikarev sich nicht zweimal bitten und versenkte das kredenzte Geschenk kacktorverdächtig zum 4:2. Dass Tattermusch aus der Drehung knapp am Lattenkreuz vorbei zielte, Muqaj knapp übers Tor schoss, Richter im 1:1 an Karika scheiterte, ebenso wie kurz darauf Zank, passte ins Bild einer Jenaer Mannschaft, der die Verzweiflung in die Gesichter geschrieben stand. An einem Tag der Pleiten, Pech und Pannen, an dem Kapitän Nils Butzen trotz Schulterverletzung durchspielte, weil das Wechselkontingent bereits aufgebraucht war, tröstete nur eines: Nach Lichterfelde geht es in dieser Saison nicht noch einmal.